Zeitgleich traditionsbewusst und innovativ

Gleich zwei Jubiläen wurden am Samstagabend in Hemsbach mit Urkunden und Festreden gefeiert: Das Fliesenlegerfachgeschäft Arthur Bergmann in Gunzenbach ist 50 Jahre alt – und Mitarbeiter Otmar Bathon ist 40 Jahre dabei.

»Betriebe schließen heute schneller als früher und bei Mitarbeitern ist die Fluktuation deutlich höher. Solche Jubiläen sind also etwas Besonderes«, gratulierte Dieter Eser, Kreishandwerksmeister und Außenstellenleiter der Handwerkskammer Aschaffenburg und überreichte Urkunden an den Betrieb und an Otmar Bathon.
Auch Rudolf Schmittner, Obermeister der Bauinnung Aschaffenburg, gratulierte Firmeninhaber Arthur Bergmann (54) zum Betriebsjubiläum. Beide kennen sich gut: Bergmann ist in der Innung als stellvertretender Obermeister aktiv. Der Betriebsinhaber blickte zurück: Die Geschichte des Unternehmens begann 1963, als Arthurs Vater Heinrich das Fliesenlegerfachgeschäft in Gunzenbach eröffnete. Unterstützt wurde er von seiner Schwester Lisbeth.

1974 stellten sich die Weichen für die nächste Generation: Heinrichs Sohn Arthur begann seine Lehre im elterlichen Betrieb. Auf die bestandene Prüfung folgte am 10. September 1981 die Übergabe des Meisterbriefs. Keine 50 Jahre alt, starb Heinrich Bergmann. Arthur war gerade mal 22 Jahre alt: »Nur Dank der bedingungslosen Unterstützung meiner damaligen Verlobten und heutigen Frau Maria kam ich mit der Mehrfachbelastung durch Geschäft, Meisterprüfung und privatem Engagement zurecht«, erinnerte er sich am Samstag.

Staatspreis für Schulbesten

Im Jahr 1995 entstand am Firmensitz in Gunzenbach ein neues Lager mit Büro und Wohnhaus, Ausweichmöglichkeiten bestehen zudem im Gewerbegebiet Hutzelgrund bei Rothengrund. Das Jahr 2003 brachte einen weiteren Schritt in die Zukunft, als Arthurs Sohn Thomas die Lehre als Fliesenleger begann. Mit Erfolg: Als Schulbester erhielt er den Staatspreis des Freistaats Bayern und von der Handwerkskammer Würzburg für den Kammersieg ein Stipendium für die Meisterprüfung, die er am 5. März 2009 absolvierte. Inzwischen zeichnet Thomas Bergmann für administrative Aufgaben im elterlichen Betrieb verantwortlich.
Als Arthur Bergmann an die Spitze kam, spezialisierte er sich auf die Rüttelverlegung. Dabei werden hochbelastbare Fliesen direkt ins frische Mörtelbett verlegt und mit einem speziellen Rollenrüttler eingerüttelt. »Wir waren damit die Ersten in der Region und reisten durchs gesamte Rhein-Main-Gebiet und sogar bis nach Bonn, Hockenheim und Mönchengladbach, um Rüttelböden in Werkstätten und Einkaufszentren zu verlegen.«

Erfolg mit Spezialisierung

Heute bilden barrierefreie Bäder für Senioren und Behinderte einen Schwerpunkt des Unternehmens, das sich dabei um alles kümmert: Die Planung und die Finanzierung (inklusive der Zuschüsse von Pflegekassen und Sozialämtern) sowie ums Bauen.
Bei den Kunden handelt es sich zwar überwiegend um private Bauherren, doch es wurden auch öffentliche Gebäude wie Feuerwehrhäuser und Schulen sowie industrielle Bauwerke ausgestattet. Der erste Lehrling wurde 1964 ausgebildet. Mittlerweile kann der Betrieb, der fünf Mitarbeiter beschäftigt, die Namen von 21 männlichen Lehrlingen und einer weiblichen Auszubildenden auflisten.

Den meisten davon hat Otmar Bathon (Jahrgang 1952) aus Gunzenbach das Handwerk beigebracht. Er stieg am 1. August 1965 als Lehrling in den Betrieb ein und blieb ihm (mit Pausen, unter anderem wegen des Wehrdiensts) bis heute treu. Trotz aller Widrigkeiten, denn als viertältestes von zehn Kindern musste er anfangs sogar zum Unterhalt seiner Familie beitragen. »Trotzdem hast du die Belange der Firma immer in den Vordergrund gestellt. Dafür gebührt dir unser höchster Dank«, so Bergmann bei der Ehrung.
Geehrt wurde ferner Stefan Noll, der seit zehn Jahren dem Unternehmen treu ist.

Marion Stahl
Mit freundlicher Genehmigung des Main-Echo

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